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Zusammenfassung der Inhalte der Grundlagenseminare (G-1 bis G-3)

Von der Fortbildung können daher sowohl kognitiv verbal arbeitende Psycho-Therapeutinnen und Ärzte wie auch Yogalehrer*Innen und andere Körpertherapeuten profitieren. Wir werben für eine Zusammenarbeit der unterschiedlich orientierten Berufsgruppen. Auch in unserem Dozententeam fließen Erfahrungen aus dem Alltag einer psychotherapeutischen Praxis mit den langjährigen Erfahrungen in Yogalehrerausbildungsschulen zusammen. So werden Sie erfahren, wie Yoga im Gefängnis, beim Militär oder in der stationären Jugendhilfe angeboten bzw. in eine Einzelpraxis integriert werden kann.

In dem Grundlagenseminar (G-1)  geht es um ein grundlegendes Verständnis der körperlichen Vorgänge, die einerseits durch ein Trauma und andererseits durch das Üben von Yoga ausgelöst werden.

Ergebnisse aus der Traumaforschung, die deutlich machen, wie der menschliche Körper auf Schreckenserfahrungen reagiert, werden der heilenden Wirkung des Yoga gegenübergestellt. Während ein Trauma z.B. den Atem verflacht, die Muskeln verkrampft und traumasensibles Yogadie inneren Organe in einem Überlebensmodus erschlaffen lässt, vertieft Yoga den Atem, entspannt und kräftigt die Muskeln und stärkt das Immunsystem. Die Leitlinien des Traumasensiblen Yoga (TSY), einer achtsamen Variante des Hatha-Yoga, werden vorgestellt. Erkenntnisse aus dem Bereich der westlichen Psychosomatik werden durch östliche Denkmodelle wie die Kosha-Lehre und den achtgliedrigen Pfad des Patanjali ergänzt. Da Vermeidung eines der Hauptsymptome einer PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) ist, gehört ein würdigender und achtsamer Umgang mit unangenehmen Empfindungen und Körpersensationen zu den Essentials des TSY. Wenn durch Entspannung und sensible Körperwahrnehmung kräftezehrende Abwehrmechanismen dahinschmelzen, können sich verdrängte Schmerzerfahrungen melden und alte Wunden aufbrechen. TSY hilft, dies in die Chance für einen tiefgreifenden Heilungsprozess zu verwandeln. Eine Prägung durch alte Geschichten kann durch neue Erfahrungen vervollständigt werden.

Erkenntnisse aus der Hirnforschung und der Funktion des autonomen Nervensystems werden in den Kontext Trauma gebracht.

Die Wirkweisen des Yoga werden im Sinn eines Bottom-Up belebend und stabilisierend/beruhigend im Sinn eines Top-Down an Hand verschiedener Übungen erfahren. Die Wechselwirkung von Bewegung, Atem und Bewusstsein ist die Basis des Yoga. Dies bereitet den Weg zu mehr Präsenz.

Im Grundlagenseminar 2 (G-2) werden, mit vertiefter Aufmerksamkeit für die Auswirkungen von Traumata, spezielle Pranayama Techniken, Asanas und Sequenzen praktiziert. Die Präsenz wird geschult, sodass auch feinere Energie-Empfindungen wahrgenommen und gespürt werden können. So kann durch Einüben der Beobachter Haltung auch der Unterschied zwischen einer achtsamen Distanz und einer Dissoziation wahrgenommen werden. Das Bewusstmachen der sich immer wieder verändernden Ich-Wahrnehmung (Ego-States) vertieft die Achtsamkeitspraxis.

Erkenntnisse der sensomotorischen Entwicklungslehre werden mit Übungen zur basalen Stimulation durch Yoga körperlich erfahren. Oft lassen sich bereits nach kurzen Übungsfolgen wahrnehmbare Wirkungen beobachten, dies auch sprachlich festzuhalten stärkt die Selbstwirksamkeit und ermöglicht neue Handlungsoptionen. Resilienz wird als Körpererlebnis handhabbar und bereichert den Handwerkskoffer für Stabilisierungsmöglichkeiten. Elemente aus der Bindungsforschung werden im Kontext Trauma untersucht und in Verbindung zum Yoga gebracht.

Im Grundlagenseminar 3 (G-3)  wird ein tieferes Verständnis des Trauma-Verarbeitungsprozesses, der im Wechsel zwischen Auftauchen und Wieder-sinken-lassen stattfindet, vermittelt. Beides ist gleich wichtig und es werden hilfreiche Methoden des TSY für den einen wie für den anderen Pol besprochen und geübt. Im TSY werden Trigger als Wunsch nach Integration verstanden. Sie liefern wichtige Informationen für den Weg zu einer ganzheitlich authentischen Persönlichkeit.

Dennoch können auftauchende Trigger-Situationen eine Herausforderung darstellen. In einer Yoga-Gruppenstunde z.B. ist eine gute Balance zwischen begleitender Unterstützung der Betroffenen und Einbeziehung der Restgruppe gefordert. Die Kenntnis der Spiegelneuronen und ihre zielgerichtete Nutzung macht es möglich, den Betroffenen auf der Bewusstseinsebene zu erreichen, auf der sie/er sich in diesem Moment befindet. Stabilisierungs-, Zentrierungs- und Erdungsübungen, die das hohe Erregungsniveau auf ein gesundes Maß reduzieren, werden besprochen und erprobt. Ein(e) Psychotherapeut(in) oder eine Yogalehrer(in), die gelernt hat, Ruhe zu bewahren und Sicherheit und Kompetenz auszustrahlen, kann sowohl im Einzel- wie im Gruppensetting die Situation für alle entwicklungsförderlich gestalten und die Krisensituation in die Chance zu einem tiefgreifenden Heilungs- und Integrationsprozess verwandeln, von der auch eine gegebenenfalls begleitende Restgruppe profitieren kann.

Ausbildung  zur/zum Trauma-Yogatherapeut*In

Teilnehmer der zertifizierten Fortbildung im traumasensiblen Yoga spüren oft den Wunsch, auch die eigenen Verletzungserfahrungen verwandeln und die dadurch entstandenen Einschränkungen auflösen zu können. Wir bieten daher aufbauend auf Grundlagenseminaren 1-3 (G-1 bis G-3) im traumasensiblen Yoga noch eine Trauma-Yogatherapeuten Ausbildung an, die aus sechs weiteren Ausbildungsseminaren (A-1 bis A-6) besteht und in einer festen Gruppe von jeweils zwei Dozenten geleitet wird.

Hier besteht die Möglichkeit gemeinsam mit der Ausbildungsgruppe eine eigene Befindlichkeitsstörung oder Einschränkung durch erlebte Schreckenserfahrungen aufzulösen. Die Gruppe als das traumatisierende Ereignis bezeugende und würdigende Gemeinschaft zu erleben, schafft eine tiefe und bereichernde emotionale Neuausrichtung.

Daneben wird die Begleitung von Fallbeispielen aus der eigenen beruflichen Praxis angeboten. Es wird erwartet, dass die Teilnehmerinnen sich auch verstärkt selber in die Ausbildung einbringen. Die Kenntnisse aus der Fortbildung werden vertieft und erweitert, so dass die Sicherheit im Umgang mit ungewöhnlichen Situationen wächst. Wir arbeiten prozess- und teilnehmerorientiert: In der Befindlichkeitsrunde öffnen wir Raum für innere Prozesse, die durch die gemeinsame Arbeit gefördert werden. Es wird vermehrt zur Partnerarbeit angeregt, da die Spiegelung eigener Prozesse durch eine vertraute Person wachstumsförderlich ist. Im Austausch von Eigen- und Fremdwahrnehmung können feinstoffliche Energien noch subtiler wahrgenommen werden. Der Aufbau der Wochenenden der Trauma-Yogatherapeuten-Ausbildung orientiert sich am yogischen Modell der Persönlichkeitsentwicklung, jedes Wochenende hat daher ein Chakra als Schwerpunkt. Die Tage beginnen und enden jeweils mit einer Meditation und/oder Pranayama.

Der Abschluss der Trauma-Yogatherapie-Ausbildung kann durch die Videodemonstration einer Gruppensitzung, eine kurze schriftliche Auseinandersetzung mit einem speziellen Thema aus dem Bereich des TSY, eine ausführlichere Übungsfolge mit Begründung einzelner Schritte für eine spezifische Zielgruppe oder eine Falldarstellung mit Schilderung des Problems und dem Ziel des Einzelunterrichts erfolgen. Die Ausbildung befähigt, traumasensibles Yoga sowohl im Einzel- als auch Gruppensetting mit unterschiedlichen Zielgruppen (Geflüchteten, Gefängnisinsassen, Soldaten) zu praktizieren.

Im Detail

Die sechs Ausbildungsseminare (A-1 bis A-6) der Trauma-Yogatherapeuten-Ausbildung haben eine feste Struktur, die sich in jedem Seminar-Wochenende wiederholt: Zu Beginn wird ca. 15 Minuten Pranayama vertieft. Nach einer Befindlichkeitsrunde und bisherigen Erfahrungsaustausch wird von einem der Dozenten ein Thema in Theorie wiederholt und mit viel Praxis ausdifferenziert. Am Nachmittag wird nach einer Demonstration in der Gruppe in Einzel- und Partnerarbeit geübt. Das Seminar wird jeweils mit einer Meditation ausklingen.

A-1 - Seminar im Detail - Wurzel-Chakra Erdung, Stabilität, Urvertrauen

Wurzel-Chakra Erdung, Stabilität, Urvertrauen

Für dieses erste Wochenende der T-Y-T-Ausbildung werden Übungen und Meditationen ausgewählt, die Sicherheit und Vertrauen in das Leben, die Mitmenschen und sich selbst stärken. In einer Partnerübung wird eine Lebenslinie erstellt, die von der Geburt (evtl. Embryonalzeit) bis zum heutigen Tag reicht. Eine Teilnehmerin schaut aus der Vogelperspektive auf die Aufs und Abs des Lebens. Die Gefühle von damals werden mit wohlwollend bewertungsfreier Achtsamkeit wahrgenommen, ohne sich in sie verstricken zu lassen. Die Partnerin hilft dabei durch Fragen wie: „und dann? Wie ging es weiter?“ Zum Abschluss dieser Übung wird stehend nochmal in einer Gesamtschau das Vergangene gewürdigt und im gemeinsamen Spüren mit der Partnerin erarbeitet: Was sind die Ressourcen? Was hat immer wieder geholfen? Und wo sind noch heute Anhaftungen, die als Trigger das Leben einschränken? Was will nochmal vertiefend gefühlt und gespürt werden? Darauf aufbauend wird empfohlen, ein Ressourcentagebuch zu führen, das die in der Vergangenheit bereits erworbenen Fähigkeiten durch spezifische Übungen des TSY ergänzt, die im Verlauf der Ausbildung neu entdeckt werden. Mit achtsamer Distanz kann wahrgenommen werden: Mal bin ich gut geerdet und in meiner Mitte und mal verliere ich die Mitte, beides ist da und okay.

Die Körperdiagnose wird in einer Demonstration eingeführt. Dabei wird achtsam erforscht, welche Körperpartien gesund durchblutet und lebendig gespürt werden können. Die Übung wird ebenfalls in Partnerarbeit weiter vertieft. Die persönlich unterschiedlichen Wege zu einer guten körperlichen, seelischen und geistigen Verankerung werden immer bewusster und stehen schneller zur Verfügung.

A-2 - Seminar im Detail - Flexibilität, Kreativität, Polarität, Schwingungsfähigkeit

Flexibilität, Kreativität, Polarität, Schwingungsfähigkeit

Aufbauend auf der Ruhe und Stabilität des ersten Chakras wenden wir uns an diesem Wochenende den Qualitäten des zweiten Chakras zu, das uns Lebenslust, Neugier und Freude an Begegnung und Austausch schenkt. Welche Bewegungs-, Atem- oder Bewusstseinsübungen fördern Leichtigkeit, welche können – vor allem nach langem Sitzen – so richtig genussvoll sein? Welche verbessern die Stimmung und Befindlichkeit? Wie kann die Wechselhaftigkeit von Stimmungen und Befindlichkeiten reguliert werden? Wie fühlt sich die Einatmung im Vergleich mit der Ausatmung an, lässt sich der Atem in seinen polaren Strömungen auch genießen? Die Teilnehmerinnen sind eingeladen, individuelle Zugangswege zur Affektregulation zu erforschen und mit der Gruppe zu teilen. Mit achtsamer Distanz kann wahrgenommen werden: Mal bin ich gut gelaunt und mal weniger gut gelaunt und beides ist in Ordnung.

A-3 - Seminar im Detail - Handlungsfähigkeit, Wut und Mut, inneres Feuer, Heldentum

Handlungsfähigkeit, Wut und Mut, inneres Feuer, Heldentum

An diesem Wochenende steht das Thema Macht und Ohnmacht im Mittelpunkt. Der persönliche Zugang zur Zwerchfellatmung, einem der wichtigsten Energiezentren, wird achtsam erspürt und geklärt. Opfer-Täter-Verstrickungen können erkannt und gewürdigt werden. Die Teilnehmerinnen erforschen die unterschiedlichen Pranayama Übungen in ihrer Wirkung. Welche sind besonders geeignet, um ein Gefühl von Kompetenz wiederherzustellen. Mit achtsamer Distanz kann wahrgenommen werden: Mal bin ich stark und voller Power und mal sind andere mächtiger als ich und beides ist okay. Anerzogene Prägungen und Muster sitzen in der niederen Bewusstseinshülle (Manomaya-Kosha). Durch Selbstarbeit bilden wir die höhere Bewusstseinhülle (Vijnanamaya-Kosha). In der Sprache der Polyvagaltheorie stärken wir den ventralen Ast des Nervus Vagus, die Verbindung von Bauch und Prefrontal-Cortex. Emotionen wie Zorn und Wut sind wichtig, brauchen jedoch eine Richtung und steuernde Kraft. Wofür will ich mich engagieren, wo brennt mein inneres Feuer? In Partnerarbeit können abgelehnte Gefühle in ihrer seelischen und körperlichen Präsenz gewürdigt und für die persönliche Lebensführung genutzt werden. Wut, gepaart mit einem klarem Geist, ist eine konstruktive Kraftquelle und stärkt die persönliche Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit.

A-4 - Seminar im Detail - Selbst- und Fremdliebe im Einklang

Selbst- und Fremdliebe im Einklang

Gut ausgestattet mit den Fähigkeiten der drei unteren Chakren wenden wir uns an diesem Wochenende dem Zentrum der Lebensenergie und Lebensfreude und seinen Verletzungen zu. Das Herz-Chakra baut auf dem Urvertrauen des ersten, der Schwingungsfähigkeit des zweiten und dem Mut des dritten Chakras auf und stellt gleichzeitig eine Schwelle, ein Tor, zu den Qualitäten der drei oberen Chakren dar. Herz und Atem, unsere beiden Rhythmusgeber, sind physisch und energetisch eng miteinander verbunden. Partnerschaft, Freundschaften, Bezogensein auf die Umgebung und Bindungen zu wichtigen Anderen, sowie mögliche Kränkungserfahrungen verlangen nach empathischer Resonanz, um das Selbst-Mitgefühl zu stärken. Die Frage darf auftauchen: Habe ich eine gesunde Balance zwischen „Die Welt in mich reinlassen“ und an mich selber denken? Mit achtsamer Distanz kann wahrgenommen werden: Mal bin ich liebevoll zugewandt bei einer anderen Person und mal brauche ich meine volle Aufmerksamkeit nur für mich. Ein gesundes Herz will und kann sich mit ausreichender Selbstliebe gleichermaßen intensiv einem Anderen öffnen.

A-5 - Seminar im Detail - Authentischer Selbstausdruck

Authentischer Selbstausdruck

Die Fähigkeit, Scham und Schuld durch Achtsamkeit und Selbstmitgefühl integrieren zu können, schenkt uns das Kehlchakra. Auf der physischen Ebene sorgen wir für die Befreiung von Nacken, Unterkiefer und Stimme. Braucht ein schmerzlich verletzter Eindruck noch einen mutigen Ausdruck, um eine Übereinstimmung von körperlichem, seelischem und geistigem In-der-Welt-Sein möglich zu machen? Mit achtsamer Distanz kann wahrgenommen werden: Heute bin ich fähig, zu allem, was in mir lebt, Ja zu sagen. Die Stimmigkeit auf allen Ebenen des Seins schafft ein Gefühl von Freiheit.

A-6 - Seminar im Detail - Stirn und Scheitelchakra – Überblick und Gesamtsicht

Stirn und Scheitelchakra – Überblick und Gesamtsicht

An diesem letzten Wochenende blicken wir zurück auf das Erreichte und nehmen wahr, wie jeder Einzelne gewachsen ist und auch die Gruppe sich entwickelt hat. Abschied und Neubeginn – alles ist da und darf sein. Im Stirnchakra vereinen sich all die Fähigkeiten der unteren und mittleren Chakren, es schenkt uns die Fähigkeit, aus These und Antithese eine Synthese zu machen. Auf der physischen Ebene ist dies der Punkt, wo der rechte und der linke Nasenstrom sich zu einem Energiefluss verbinden, weibliche und männliche Perspektiven weisheitsvoll eins werden, links- und rechtshemisphärische Fähigkeiten sich ergänzen. Wechselatmung, Augenübungen und verschiedene Varianten von bifokaler Stimulation helfen zu dem Punkt zu kommen, an dem wir alle heil und vollkommen sind. Intuition und das Erlebnis des Verbundenseins mit Allem was ist im Scheitelchakra wird möglich. Schmerz und Freude, Trauma und posttraumatisches Wachstum bedingen sich gegenseitig, sie gehören zusammen.