Dozentin Regina Weiser

analyt. Psychotherapeutin seit 1986, Yogatherapie-Studium am Yogatherapie-Institut in Lonavla, Indien, Yogalehrerin (MYI), Sen-Therapeutin im Therapeutennetzwerk zur Begleitung spiritueller Krisen, Traumatherapeutin nach L. Reddemann, Autorin von „Mit Yoga Lebensängste bewältigen“ und „Yoga in der Traumatherapie“tsy-ingradual-Regina-Weiser

Aufgewachsen im ländlichen Münsterland sind die schönsten Erinnerungen ihrer Kindheit, wenn sie gemeinsam mit dem geliebten Großvater Blumen pflückend durch die Felder ging und vor die verschiedenen dort aufgestellten Altarbilder die Blumen hinstellen durfte. Kindheit und Jugendzeit als Älteste in einer Familie mit fünf Kindern. Vor ihrem Psychologiestudium war Regina bereits drei Jahre als Grundschullehrerin (1. und 2. Staatsprüfung) tätig. Da sie sich stets für die „speziellen“ Kinder – Ausländer, Lernschwache, Außenseiter usw. – interessierte, entschloss sie sich zu einem Psychologiestudium, das sie in Heidelberg begann und in Düsseldorf abschloss.

Die gesellschaftliche Aufbruchstimmung nach der Studentenbewegung gab ihr die Möglichkeit, aktiv bei der Konzeptionalisierung und dem Aufbau zunächst einer kinderpsychiatrischen Station am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und später beim Aufbau einer anthroposophischen Erziehungsberatungsstelle in einem sozialen Brennpunkt mithelfen zu können. Bereits hier wirkte der Spruch von Williges Jäger, den sie erst viel später hörte: “Jeder spirituelle Weg, der nicht im Alltag endet, ist ein Irrweg.”

Selber in der Nachkriegszeit mit vielfältigen Entbehrungen aufgewachsen beeindruckte sie die achtsame und würdevolle Einstellung, mit der die Waldorfpädagogik Kindern begegnet. Während ihrer Ausbildung zur Waldorflehrerin konnte sie durch Lernen von Sprüchen und Spielen, durch Erzählen von Märchen einen nährenden Teil ihrer Kindheit nachholen. So wurde sie nach Eheschließung und Geburt ihrer Tochter eine Zeitlang zur „Waldorfmutter“. Aus dieser Zeit ist die Liebe zur tiefen Weisheit im Märchen, zu stimmigen Bildern und Symbolen noch heute eine wichtige Kraftquelle. In der Heileurythmie lernte sie erstmals Bewegungen mit einer inneren geistigen Ausrichtung zu verbinden. Mit etwa 30 Jahren begann sie (anfangs nur fast) täglich zu meditieren. Parallel zur Erziehungszeit machte sie ihre Ausbildung zur analytischen Psychotherapeutin, das ermöglichte ihr, als ihre Tochter 6 Jahre alt war (1986), sich als analytische Psychotherapeutin mit Kassenzulassung für Einzelne und Gruppen im Ruhrgebiet niederzulassen.

Infolge einer persönlichen Krise wurde 1996/97 eine Auszeit für sie notwendig. Glückliche Umstände ermöglichten ihr einen neunmonatigen Indienaufenthalt mit Besuch mehrerer Ayurveda Kliniken und Meditationszentren. Im Yogatherapie-Zentrum in Lonavla (mit angegliederten Krankenhaus) hatte sie für einige Monate Gelegenheit mitzuerleben, wie dort die meisten Erkrankungen fast ausschließlich mit Yoga therapiert werden. So entschloss sie sich wieder zurück in Deutschland für eine dreijährige Ausbildung zur Yogalehrerin. Die Abschlussarbeit der Yoga-Übungsleiter-Ausbildung schrieb sie über “Affirmationen und Sanskalpa”. Die Abschlussarbeit zur Yogalehrerin hatte das Thema “Die Chakren als innerer Entwicklungsweg”.

Seit ihrer Rückkehr aus Indien integrierte sie zunehmend Elemente von achtsamem, therapeutischen Yoga in die Begleitung ihrer Patienten und nahm wahr, wie der Wechsel vom Gespräch zur Körperübung oder Meditation neue Energien erschließt. Zu dieser Zeit wurde sie auch Mitglied im Therapeuten-Netzwerk S.E.N. (spiritual emergence network oder spirituelles Entwicklungs-Netz) einem Verband von Psychotherapeuten, die zusätzlich zur akademischen Ausbildung selber regelmäßig eine spirituelle Disziplin üben und die Klippen und Hindernisse auf diesem Weg kennen. Auch die Mitgliedschaft im NAW (Netzwerk achtsame Wirtschaft) ist ihr wichtig. Es orientiert sich an dem vietnamesischen Meditationslehrer Thich Nhat Hanh, der zur Zeit des Vietnamkriegs eine Bewegung ins Leben rief, der die Gleichwertigkeit von Meditation (ein halber Tag im Kloster) und Kriegsopfer pflegen (ein halber Tag tätige Nächstenliebe) ein Anliegen war.

Auch wenn sie seit ihrer Indienreise mit jeder Zelle Yogalehrerin ist, ist sie ihren christlichen Wurzeln treu geblieben. Gerade die Berührung mit fremden Kulturen lässt bei ihr die eigenen Einstellungen und Haltungen weiter reifen. So wurde sie im fernen China von der spirituellen Bedeutung des Kreuzes tief berührt, als ein chinesischer Student, der sie für einen Dollar pro Tag in die chinesischen Schriftzeichen einführte, sie lehrte: “Erst machst Du alle waagrechten Linien und hältst dann einen Moment inne, bevor Du mit den senkrechten Linien die waagrechten durchkreuzt. Das ist ein heiliger Augenblick!” Bei ihm sollte sie Ehrfurcht vor den Impulsen lernen, die von oben kommen und das gewöhnliche Leben oftmals durchkreuzen. Die Kreuz-Übung, bei der die Hände als Verlängerung des Herzens rechts und links den Mitmenschen begegnen und durch die vertikale Ausrichtung der Wirbelsäule und innere Aufrichtung sich im Kreuzungspunkt des Herzens durchkreuzen, gehört seit der Chinareise zu ihrem yogischen Standard-Übungs-Programm. Auch das österliche Fest, bei dem der Durchgang durch Leid und Tod zur Freude der Auferstehung und neuer Lebendigkeit führt, ist etwas, was sie aus vielen therapeutischen Begleitungen kennt. Ein wunderbarer Moment von posttraumatischem Wachstum. Diese Freude erfasst gleichzeitig Therapeut und Patient, ein Unterscheiden, wer in solchen Augenblicken der Gebende und wer der Nehmende ist, passt nicht. Hrdaya das Sanskritwort für das Herz drückt es aus: Geben und Nehmen sind eins.

Gerne nutzt Regina Gelegenheiten, um in Vorträgen oder Seminaren ihre in der Praxis gewonnenen Erfahrungen an psychotherapeutische Kollegen und/oder Yogalehrer weiterzugeben. In ihrer Yogalehrerausbildung hatte sie gelernt: “Yoga ist ein Weg der Selbstbegegnung und Selbsterforschung”. Also erforscht sie sich selbst und stellt fest: Das hört nie auf, immer feinere Schichten tun sich auf. Ein spannender Weg zu sich selbst. Was die alten Yogis bereits vor 2000 bis 3000 Jahren wussten: “Die Energie folgt der Aufmerksamkeit” konnte sie nun bei sich selbst beobachten und erfahren. In ihrer Sprache ist es einer ihrer Lieblingssprüche geworden: “Alles, was Aufmerksamkeit bekommt, wächst”. Mit dem Satz von Hermann Hesse: “Schreiben heißt sich selber zuhören” begann eine Entwicklung zur Autorin. Die Aufmerksamkeit zum Körper und dort die Wirkung der Übungen zu erforschen, begann ihr Freude zu machen, zumal sie durch ihre tägliche Arbeit in der Praxis bei den ihr anvertrauten Patienten die Gelegenheit hatte zu beobachten, dass auch diese ähnliche Erfahrungen mit Yoga machen wie sie. Was sie bei sich selbst als wohltuend erfahren hat, gibt sie gerne weiter. Ihre heutige Arbeit in der Flüchtlingshilfe Freiburg kommentiert sie gerne mit dem Satz: “Früher bin ich gerne und viel gereist, das brauche ich heute nicht mehr. Ich habe ja die Exotik jetzt vor der Haustür.”

Veröffentlichungen:

  • „Achtsamkeit und spirituelle Körperübungen“ in Psychologie des Bewusstseins, Band 6, Lit-Verlag Hamburg 2007
  • „Geh-Danke …. Gedanken und Meditationen beim Laufenlernen nach einer Hüftendoprothese“ in Phönix, 12. Ausgabe – August 2007
  • „Spirituelle Wegsuche und Psychotherapie – Grenzerlebnisse und ihre Gefahren“ in: Zeitschrift Info 3, März 2009
  • Was tiefe Wunden heilt“, erschienen in der Zeitschrift „INFO 3“, Ausgabe April 2013, für diesen Artikel wurde die Autorin mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Transpersonale Psychologie ausgezeichnet.

Sie schreibt Bücher:

  • Weiser, R. Dunemann, A. (2010): Yoga in der Traumatherapie. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag
  • Weiser, R. (2012): Mit Yoga Lebensängste bewältigen. Ostfildern: Patmos Verlag
  • Dunemann, A., Weiser, R., Pfahl, J. (2017): Traumasensibles Yoga. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag

Ihre speziellen Themen sind:

  • Psychische Belastungen von Psychotherapeuten
  • Wenn durch Entspannung alte Wunden aufbrechen
  • Die Chakren als innerer Entwicklungsweg
  • Yoga eine bindungsorientierte Körpertherapie
  • Yoga und die Versöhnung mit dem Schattenkind
  • Psychotherapie und Spiritualität
  • Spirituelle Krisen